Auf der Suche nach dem Wohnungsmarkt
Als ich 1996 für ein Austauschsemester in Sankt Petersburg in Russland studierte, ging ich 2 bis 3 Mal die Woche zum Lebensmittelmarkt (rynok), der sich auf dem Gartenplatz (Sadowaja Ploschadj) im Zentrum Petersburgs befand. Mein Freund Frank aus Hamburg hatte ihn als Erster entdeckt. Frank hatte früher im Überseehafen in Travemünde gearbeitet. Bevor die Schiffe im Hafen anlegten funkten die Kapitäne ihm eine Bestelliste. Frank konnte alles besorgen, ob Schuhkreme oder Wodka, ob Weißwürste oder Jeanshosen. Er kannte auch alle Preise auswendig, je nach Wunsch in DM, USD oder Finnmark. In Frank’s Adern pulsierte dickes Hamburger Kaufmannsblut.
Darum verließ ich mich auch blind auf Frank, wenn wir zum Sadowaja Ploschadj zogen. Er wußte genau an welcher der schätzungsweise 250 kleinen Buden (kioski) es zum Beispiel Ketchup am günstigsten gab. Wenn man Ketschup kaufen wollte, mußte man sich an einer der Buden zu einer kleinen, circa 1 Meter über dem Boden befindlichen Öffnung hinunter beugen und kurz und möglichst undeutlich sagen: „Ketchup, Po Tschjom?“, was ungefähr so viel bedeutet wie: „Entschuldigung, können Sie mir bitte sagen, wieviel eine Flasche Ketchup bei Ihnen heute kostet?“. Die Antwort konnte lauten: „Trista„, oder übersetzt: „Sehr gerne. Eine Flasche Ketchup kostet bei mir heute 300 Rubel.„
Warum erzähle ich das alles?
Wenn man eine Ware günstig erwerben möchte, dann muß man den Markt, auf dem diese Ware angeboten wird sehr gut kennen. Das hatte ich in Sankt Petersburg gelernt. Und deshalb lautete die erste Frage, die ich mir stellte: „Wo finde ich den Markt für Eigentumswohnungen in Berlin und wie funktioniert er?„. Der erste Teil der Frage war schnell beantwortet: Natürlich im Internet! Die Hitliste bei Google führt immobilienscout24.de an, und nicht zu unrecht. Auf den ersten Blick war ich begeistert. Hier schien die Theorie eines perfekten Marktes in der Realität verwirklicht. Tausende von Eigentumswohnungen, perfekt sortiert mit Bildern und jeder Menge Informationen. Und mit zwei, drei Klicks war ein Suchauftrag angelegt und man bekam automatisch alle neuen Anzeigen per email zugesandt. Kein frühmorgendliches Anstehen am Zeitungskiosk, keine langes Umhertelefonieren und vor allem kein ewiges Warten auf Exposés in der Post.
Ein Traum. Doch leider nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten entpuppte sich der vermeintlich perfekte Markt als Trugbild. Und es gab auch einer Grund dafür: die Immobilienmakler. Nächster Teil: der perfekte Wohnungsmarkt


